Erkältung im Herbst: Warum wir im Jahreszeitenwechsel häufiger krank werden
Wenn draußen die Temperaturen sinken, beginnt für viele Menschen wieder die typische Erkältungssaison. Schnupfen, Halskratzen und Husten gehören im Herbst und Winter für viele Familien zum Alltag. Aberwarum erkältet man sich im Herbst eigentlich häufiger?
Die Antwort ist komplexer als „Kälte macht krank“. Eine Erkältung wird in der Regel durch Viren verursacht. Mehr als 30 verschiedene Erreger können typische Erkältungskrankheiten auslösen, darunter Rhinoviren und verschiedene saisonale Coronaviren.
Gleichzeitig verändern sich im Herbst unsere Lebensbedingungen: Wir halten uns häufiger in Innenräumen auf, Fenster werden seltener geöffnet und beheizte Räume weisen oft eine niedrigere Luftfeuchtigkeit auf. Dadurch können sich die Bedingungen für die Übertragung von Atemwegsviren verändern.
Wenn Sie bei Fragen zu Erkältungsbeschwerden oder rezeptfreien Arzneimitteln persönliche Beratung wünschen, nehmen Sie gerne Kontakt zu uns auf.. Medikamente können Sie bei Bedarf auch über unsere Arzneimittel-Vorbestellung reservieren.
Warum sind Erkältungen im Herbst häufiger?
Mehr Zeit in geschlossenen Räumen
Ein wichtiger Faktor ist unser Verhalten. Im Herbst und Winter verbringen wir mehr Zeit in Wohnungen, Büros, Schulen, Kindergärten und öffentlichen Verkehrsmitteln. Treffen dort viele Menschen auf engem Raum zusammen, können sich Atemwegsviren leichter verbreiten.
Viren werden unter anderem durch Tröpfchen und Aerosole übertragen, die beispielsweise beim Husten, Niesen, Sprechen oder Atmen entstehen. Eine gute Lüftung kann dazu beitragen, die Konzentration infektiöser Partikel in der Raumluft zu reduzieren.
Trockene Heizungsluft und Schleimhäute
Heizungsluft senkt häufig die relative Luftfeuchtigkeit in Innenräumen. Trockene Luft kann die Schleimhäute der Atemwege reizen und die natürliche Selbstreinigung der Atemwege beeinträchtigen. Untersuchungen bringen niedrige Luftfeuchtigkeit unter anderem mit einer verminderten mukoziliären Reinigung in Verbindung – also mit der Funktion, durch die Schleim und darin enthaltene Partikel aus den Atemwegen abtransportiert werden.
Wichtig ist jedoch: Trockene Heizungsluft verursacht keine Erkältung. Sie kann vielmehr die Bedingungen verändern, unter denen Atemwegsinfektionen übertragen werden und die Atemwege auf Belastungen reagieren.
Kälte und Temperaturwechsel
Auch kalte Luft kann die Atemwege beeinflussen. Bei niedrigen Temperaturen verändern sich unter anderem die Durchblutung und die Funktion der Schleimhäute. Kalte und trockene Luft kann deshalb als unangenehm empfunden werden und die Atemwege reizen.
Das bedeutet aber nicht, dass eine Erkältung „durch Kälte“ entsteht. Ohne einen entsprechenden Krankheitserreger gibt es keine virale Erkältung. Der Zusammenhang zwischen Kälte und Erkältung ist vielmehr ein Zusammenspiel verschiedener Faktoren: Verhalten, Raumklima, Viruszirkulation und Eigenschaften der jeweiligen Erreger.
Jahreszeit und Erkältungsviren
Atemwegsviren treten nicht das ganze Jahr über gleich häufig auf. Das RKI weist darauf hin, dass sich viele Erreger akuter Atemwegsinfektionen in der kälteren Jahreszeit besser verbreiten – unter anderem, weil Menschen mehr Zeit in Innenräumen verbringen.
Die Erkältung im Herbst hat deshalb nicht eine einzige Ursache. Vielmehr treffen mehrere saisonale Faktoren zusammen.

Erkältung oder Grippe? Die wichtigsten Unterschiede
Eine klassische Erkältung, Influenza und COVID-19 können ähnliche Beschwerden verursachen. Deshalb lässt sich anhand einzelner Symptome nicht zuverlässig feststellen, welcher Erreger dahintersteckt.
| Erkrankung | Typischer Verlauf |
|---|---|
| Erkältung | Häufig schleichender Beginn, Schnupfen, Halsweh und Husten; Fieber eher selten. |
| Influenza (Grippe) | Häufig plötzlicher Beginn mit starkem Krankheitsgefühl, Fieber sowie Kopf- und Gliederschmerzen; trockener Husten möglich. |
| COVID-19 | Häufig Schnupfen, Husten und Halsschmerzen; außerdem sind Kopf- und Gliederschmerzen oder Fieber möglich. |
Diese Beschreibung dient nur zur Orientierung. Gerade Influenza und COVID-19 können auch atypisch oder mild verlaufen. Eine sichere Unterscheidung allein anhand der Symptome ist nicht immer möglich.
Erkältung im Herbst vorbeugen
Eine hundertprozentige Vorbeugung gegen Erkältungen gibt es nicht. Einige Maßnahmen können das persönliche Infektionsrisiko jedoch sinnvoll reduzieren:
Hände regelmäßig und gründlich mit Wasser und Seife waschen.
Beim Husten oder Niesen in die Armbeuge oder ein Taschentuch husten bzw. niesen
Abstand zu akut erkrankten Personen halten, wenn dies möglich ist.
Innenräume regelmäßig und ausreichend lüften.
Bei hoher Virusaktivität können Masken in bestimmten Situationen zusätzlichen Schutz bieten.
Ausreichend schlafen und auf regelmäßige Bewegung achten.
Sich ausgewogen ernähren und ausreichend trinken.
Der Witterung angemessene Kleidung tragen – vor allem, um unangenehmes Auskühlen zu vermeiden.
Empfohlene Impfungen, etwa gegen Influenza oder COVID-19, entsprechend den aktuellen Empfehlungen berücksichtigen. Für bestimmte Personengruppen gibt es auch Empfehlungen zu RSV- und Pneumokokken-Impfungen.

Braucht man Vitamin C, Vitamin D oder Zink?
Eine ausgewogene Ernährung ist für die normale Funktion des Immunsystems wichtig. Nahrungsergänzungsmittel sind jedoch kein zuverlässiger Schutz vor Erkältungen.
Die DGE weist ausdrücklich darauf hin, dass hoch dosierte Vitamin-C-Präparate Erkältungen in der Allgemeinbevölkerung nicht nachweislich verhindern oder heilen.
Bei Zink ist die Studienlage differenzierter: Eine aktuelle Cochrane-Auswertung sieht möglicherweise einen gewissen Nutzen bei bereits bestehender Erkältung, weist aber auch auf mögliche Nebenwirkungen und Unsicherheiten hin.
Vitamin D sollte insbesondere dann gezielt ergänzt werden, wenn ein tatsächlicher Mangel oder ein erhöhtes Risiko dafür besteht. Eine pauschale Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln ist daher nicht automatisch sinnvoll.
Was hilft bei einer Erkältung?
Eine gewöhnliche Erkältung heilt in der Regel von selbst ab. Häufig dauern die Beschwerden etwa ein bis zwei Wochen; Husten kann allerdings länger anhalten. Was im Alltag helfen kann:
ausreichend trinken
Ruhe und Schlaf
körperliche Schonung
regelmäßiges Lüften
Kochsalz-Nasenspray oder Nasenspülungen bei Bedarf
warme Getränke oder andere individuell angenehme Maßnahmen bei Halsbeschwerden
Honig kann bei Erwachsenen und Kindern ab einem Jahr zur Linderung von Husten eingesetzt werden
bei verstopfter Nase können abschwellende Nasensprays kurzfristig sinnvoll sein
Auch rezeptfreie Schmerz- und Fiebermittel wie Ibuprofen oder Paracetamol können bei geeigneten Personen bestimmte Beschwerden lindern. Welche Arzneimittel geeignet sind, hängt jedoch unter anderem von Alter, Vorerkrankungen, Schwangerschaft und anderen Medikamenten ab.

Gerade bei Kindern, Schwangeren, älteren Menschen oder bei regelmäßiger Medikamenteneinnahme sollte vor der Anwendung eine individuelle Beratung erfolgen.
Antibiotika helfen bei einer gewöhnlichen viralen Erkältung nicht. Sie sind nur dann sinnvoll, wenn eine bakterielle Infektion vorliegt, bei der eine antibiotische Behandlung medizinisch angezeigt ist.
Wann sollte man mit einer Erkältung zum Arzt?
Eine ärztliche Abklärung ist insbesondere sinnvoll bei:
hohem oder länger anhaltendem Fieber
starken oder zunehmend schlimmeren Beschwerden.
Atemnot
Brustschmerzen
ungewöhnlich starker Schwäche oder Benommenheit
deutlicher Verschlechterung nach einer zunächst eintretenden Besserung
ungewöhnlich lange anhaltenden Beschwerden
Besondere Vorsicht ist bei Säuglingen und kleinen Kindern, Menschen über 60 Jahren, Schwangeren, chronisch Erkrankten und immungeschwächten Personen angebracht. Das RKI empfiehlt diesen Gruppen bei akuten Atemwegssymptomen unter bestimmten Umständen eine frühzeitige ärztliche Abklärung.
Bei akuter Atemnot, starken Brustschmerzen, Bewusstseinsstörungen oder anderen schweren Beschwerden ist eine sofortige medizinische Abklärung erforderlich.
Fazit
Eine Erkältung im Herbst entsteht nicht einfach deshalb, weil es draußen kalt wird. Ursache sind Erkältungsviren. Dass Erkältungen und andere Atemwegsinfektionen im Herbst und Winter häufiger auftreten, hängt vielmehr mit mehreren Faktoren zusammen: Wir verbringen mehr Zeit in Innenräumen, lüften häufig weniger, die Raumluft wird durch Heizung trockener und viele Atemwegsviren zirkulieren saisonal stärker.
Wer regelmäßig lüftet, auf Händehygiene achtet, ausreichend schläft und sich ausgewogen ernährt, kann sinnvoll vorbeugen. Kommt es trotzdem zu einer Erkältung, stehen vor allem Ruhe und die gezielte Linderung der Beschwerden im Vordergrund.
Bei Unsicherheiten zu Symptomen oder Arzneimitteln ist eine persönliche Beratung in der Apotheke eine gute Möglichkeit, die passende Vorgehensweise für die eigene Situation zu klären.
Quellenverzeichnis
Robert Koch-Institut (RKI): Informationen zu akuten Atemwegsinfektionen, Erkältung, Influenza, COVID-19 und saisonaler Viruszirkulation.
2. Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE): Informationen zur Bedeutung von Vitamin C und Erkältungen.
Gotthilf, Otto: Gesundheitspflege in den verschiedenen Jahreszeiten, Google Books – die vom Auftraggeber vorgegebene Recherchegrundlage.
Leung, N. H. L.:Transmissibility and transmission of respiratory viruses, Nature Reviews Microbiology.





